Freunde des Nationaltheaters e.V.

Die Historie der "Freunde"

Wenn nicht bald etwas geschieht, dann kommt der Bagger! Mit dieser Warnbotschaft an die Bevölkerung leiteten 1951 die "Freunde" ihre erste Aktion ein. Es ging darum, den Wiederaufbau des Nationaltheaters zu propagieren – am alten Platz und im Stil des 1818 von Carl von Fischer erbauten und nach dem Brand 1823 durch Leo von Klenze um einen Portikus erweiterten Hauses.

Runide des Nationaltheaters mit Autos davor

Dazu musste auch für "Druck von der Basis" gesorgt werden. So berühmte Dirigenten wie Hans Knappertsbusch, Fritz Rieger und Eugen Jochum, Politiker wie Oberbürgermeister Thomas Wimmer und Bürgermeister Walther von Miller sowie viele andere Prominente verliehen dem Aufruf mit ihrer Unterschrift Nachdruck. Das war wichtig; denn angesichts des Trümmerhaufens namens München hatten nicht allzu viele Politiker und Spitzenbeamte den Mut, sich ausgerechnet für den Wiederaufbau einer Kulturstätte aus dem Fenster zu hängen. Hinzu kam, dass es damals vor allem unter den jüngeren, nicht aus München stammenden Vertretern der Kunstszene, durchaus entschiedene Fürsprecher eines Wiederaufbaus im modernen Stil gab (Auch Prof. August Everding zum Beispiel gehörte als junger Mann, wie er gelegentlich gestand, zu den Gegnern einer traditionellen Lösung. Doch dankte er später – inzwischen längst selber Chef am Max-Joseph-Platz und begeistert von der Atmosphäre des Hauses – wiederholt den "Freunden" für ihre Hartnäckigkeit von damals.).

Ruine des Nationaltheaters München

Bei einem Verein und einem Aufruf ließ man es seinerzeit nicht bewenden. Geld musste her – und das Zauberwort hieß "Tombola". Die erste fand 1952 statt und brachte 625.000 Mark. Ohne sich auf Zeitpunkt und Art des Wiederaufbaus festzulegen, nahm der damalige Finanzminister Friedrich Zietsch den entsprechenden Scheck gnädig an. Der moralische Druck, den die Bürger mit ihren Spenden auf die Politiker ausübten, wurde aber immer stärker: Die Tombolen gehörten in der Folgezeit zum alljährlichen Erscheinungsbild in der Innenstadt. Sie stellen auch heute noch für die "Freunde" und zehn weitere Münchner Vereinigungen eine wichtige Einnahmequelle zur Förderung München-spezifischer Projekte dar.

Die Sammeltätigkeit der "Freunde" blieb nicht auf Tombolen, organisiert von Senator h.c. Werner Niemann, beschränkt. Eine Benefizveranstaltung löste über ein Jahrzehnt hinweg die andere ab: Konzerte, zum Teil vom Hörfunk und in Eurovisionssendungen vom Fernsehen übertragen; Theatervorstellungen; Herrenabende, zu denen Herzog Albrecht von Bayern einlud; ja sogar ein Flugtag auf dem Oberwiesenfeld (heute Olympiagelände) – all das brachte Geld für die gute Sache. Spektakulär erklärte Hans Knappertsbusch nach einem Wiener Walzerabend 1955 im Kongress-Saal des Deutschen Museums, bei dem er das Bayerische Staatsorchester dirigiert hatte, er werde nun so lange nicht mehr in München am Pult stehen, "bis der Bayerische Landtag den Wiederaufbau des Nationaltheaters beschlossen hat".

Weiteren Aufwind brachte eine Gemeinschaftsaktion mit der "Süddeutschen Zeitung", in deren Rahmen nicht weniger als 200.000 Münchner Bürgerinnen und Bürger sowie Freunde der Münchner Oper in aller Welt mit ihrer Unterschrift dem Anliegen Nachdruck verliehen. Und schließlich wurde bereits für dieses erste Projekt jener umfangreiche Kreis fördernder Mitglieder aufgebaut, bestehend aus derzeit rund 800 Firmen und Privatpersonen, der regelmäßig einen Jahres-Obolus bezahlt und immer dann auch noch zusätzlich in die Tasche greift, wenn sich die "Freunde" wieder für ein Projekt stark machen.

Rund 67,7 Millionen Mark betrugen die Aufbaukosten für das am 21. November 1963 wiedereröffnete Nationaltheater. Abgesehen von ihrem ideellen Einsatz haben die "Freunde" dazu einen Spendenbetrag von 6,5 Millionen Mark beigesteuert.

Siehe auch unter der Rubrik "MÄZEN FÜR WEN?"

Ruine des Nationaltheaters München mit Autos davor

Übrigens: In Erinnerung daran, dass beim Opernbrand von 1823 die Brauer mit Bier zu löschen versuchten, weil das Wasser ausgegangen war, und dass die Münchner den damaligen Wiederaufbau durch einen "Bierpfennig" mitfinanziert hatten, sollte der Gerstensaft auch bei der festlichen Wiedereröffnung von 1963 wieder eine Rolle spielen. So wurde der "Operator" kreiert – ein dunkles Starkbier aus der Schlossbrauerei Odelzhausen, das noch heute gebraut wird.

Siehe auch www.schlossgut-odelzhausen.de

Produktionsförderung

Die Freunde des Nationaltheaters fördern mit insgesamt 50.000 Euro die Neuproduktion 2017 des Opernstudios der Bayerischen Staatsoper. Die Premiere von "The Consul" von Gian Carlo Menotti hat am 28. März im Cuvilliés-Theater Premiere. 

Kent Nagano am Flügel